12|02|17: Schönbrunn – Mythos und Wahrheit

Es ist zehn Jahre her, dass ich das Buch „Große Tiere in Schönbrunn“ – von Eva Menasse damals in der FAZ freundlicherweise als „ikonographisches Nachschlagewerk“ bezeichnet – veröffentlicht habe. Letztes Jahr hat mich Christian Brandstätter gefragt, ob ich mich nicht wieder des Wiener Zoos annehmen möchte, diesmal für seine Reihe „Mythos und Wahrheit“. Dieser Tage erscheint das Buch, erfreulicherweise auf Deutsch und auf Englisch (hier das erste Kapitel in Übersetzung), hervorragend betreut von Elisabeth Hölzl und Barbara Sternthal. In der Februar-Ausgabe des Universum Magazins (hier das PDF) habe ich das erste Kapitel vorabgedruckt.

Universum Magazin, Februar 2012

Vom Tiergarten des Kaisers zum Königreich der Tiere

„Tiergarten Schönbrunn. Mythos und Wahrheit“ ist der Titel von Oliver Lehmanns jüngstem Buch, das im Februar im Christian Brandstätter Verlag erscheint. Im Einleitungskapitel erklärt der Co-Herausgeber des Universum Magazins, warum der älteste Zoo der Welt der beste Zoo Europas ist.

Das hier ist Wien. Deswegen liegt im Zentrum des Tiergartens Schönbrunn ein Kaffeehaus. Und zwar das Café des Kaisers: Franz I. Stephan von Lothringen ließ 1759 im westlichen Teil des Schlossparks von Schönbrunn, inmitten seiner schon mit Tieren bestückten Menagerie, einen Frühstückspavillon errichten. Man wird es dem Vater von 16 Kindern und Gatten von Kaiserin Maria Theresia nicht verdenken können, dass er sich abseits vom barocken Prachtbau und dem strengen spanischen Hofzeremoniell ein Refugium der Ruhe einrichtete. Und wie vor einem Viertel Jahrtausend zieht der Bau noch immer alle Blicke auf sich und lenkt alle Schritte in das Zentrum des 17 Hektar großen Geländes.

Fotos von Daniel Zupanc für den Tiergarten Schönbrunn

Vor einer ersten Tour lohnt sich ein Rundblick, und zwar von der Terrasse des achteckigen Gebäudes mit seinen famosen Deckenfresken, Wandvertäfelungen und Tierbildern. Zwölf Gehege und das Verwaltungsgebäude, in dem bis ins Biedermeier auch Tiere untergebracht waren, erstrecken sich als Kreissegmente vom Pavillon aus. Pandas, Giraffen, Geparden, Zebras, Somalische Schwarzkopfschafe, Antilopen, Flamingos und Flusspferde sind ohne Schwierigkeiten auszumachen. Im Hintergrund erhebt sich das historische Affenhaus und in der fast gegenüberliegenden Blickachse die Direktion mit dem daneben liegenden Tunnel zur ORANG.erie, dem Heim der Schönbrunner Menschenaffen. Den Hügel hinauf wuchert der Wald rund um den Tirolerhof. Dort hausen zwar nicht ganz so exotische, aber mindestens ebenso bemerkenswerte Tiere. Brillenschafe, Pinzgauer Rinder, Sulmtaler Hühner und das Montafoner Braunvieh sind im einstigen Schlossgarten der Habsburger heimisch geworden. Erwartungsfrohes Kinderkreischen weist auf die Fütterungszeit in der Polarwelt hin, wo die Robben sowie die benachbarten Pinguine mit Hilfe der Tierpfleger Tag für Tag ebenso verlässlich wie vergnügt ein regelrechtes Showprogramm abziehen. Die Kinderstimmen mischen sich mit den Trompetensignalen der Elefanten, die nach vollzogener Morgenwäsche ihr Freigelände in Beschlag nehmen.

Ein Stück weiter lässt sich von der Terrasse des Pavillons aus das Dach des Regenwaldhauses erkennen. Unter der lang gezogenen Glashaut wird der Regenwald Borneos erlebbar. Mangrovensümpfe und Terrassenfelder führen in die Baumkronen der Urwaldriesen. Bis ins kleinste Detail entspricht das Klima dieses Regenwalds mitten in der Großstadt am 48. Grad nördlicher Breite den Bedingungen nahe dem Äquator. Dafür sorgen nicht zuletzt die 400 Pflanzenarten und die beeindruckende Tierwelt: Wasserschildkröte, Zwergotter, Schlammspringer, mächtige Gespensterschrecken sowie prächtige Geckos. Und wer besonders mutig ist, wagt sich in die dunkle Grotte, in der einen die Fledermäuse haarscharf verfehlen, aber ihr Flügelschlag wie ein Windhauch über die Haut der Besucher streift. In den Baumkronen flattern Elfenblauvögel, Prachttauben, Schama-Drosseln und Blaukrönchen. Gleich nebenan steigt ein Graureiher-Paar in den Himmel, das nach  einem Picknick am Pelikan-Teich hinüber zur Rhinozeros-Anlage wechselt. Den Schlussakkord setzen die Großkatzen, deren dumpfes Brüllen wohl klarzustellen versucht, wer hier das Sagen hat.

Annäherung an den idealen Zoo

Ein Tiergarten ist kein Museum, auch wenn der Zoo seit 1996 als Teil der Gesamtanlage von Schönbrunn zum Weltkulturerbe nach UNESCO-Richtlinien gehört. Der Tiergarten hat auch kein Eigentumsrecht an seinen Tieren – sei es, weil sie Teil eines globalen Arterhaltungsprogrammes sind und vielleicht sogar eines Tages wieder ausgewildert werden; sei es, weil sie von anderen Zoos eingestellt oder Leihgaben einer Institution oder eines Staates sind; oder sei es, weil sie einfach Teil eines Welterbes der Natur sind, und somit oft nur noch im Tiergarten  vor der endgültigen Ausrottung bewahrt werden können.

Tiergartendirektorin Dagmar Schratter erklärt, worum es geht: „Gute Zootierhaltung ist immer ein Spagat. Was vielleicht ideal für die Tiere wäre, ist es nicht unbedingt für den Besucher. Der Besucher muss die Möglichkeit haben, das Tier zu sehen, eine Beziehung aufzubauen. Umgekehrt brauchen aber die Tiere ein Rückzugsgebiet. Kein Besucher erwirbt mit dem Kauf der Eintrittskarte das Recht, zu jeder Zeit jedes Tier zu sehen. Es gibt keinen idealen Zoo. Aber es gibt Kriterien für einen guten Zoo. Ein guter Zoo ist es dann, wenn er wirtschaftlich und nachhaltig geführt ist, wenn er seine Aufgaben im Natur- und Artenschutz ernst nimmt und die Kriterien des Weltzooverbandes erfüllt. Wenn sich die Tiere, die Besucher und das Personal wohlfühlen. Ein Zoo ist immer für beide da, die Tiere und die Menschen.“

Die Fakten geben Schratter und ihren  knapp 200 Mitarbeitern Recht. Rund 2,2 Millionen Menschen besuchen jährlich den Zoo. Damit ist der Tiergarten Schönbrunn neben dem Schloss Schönbrunn die von den meisten zahlenden Gästen besuchte Destination des Landes – was maßgeblich zu dem  beständig ausgeglichenen Jahresbudget von etwa 16 Millionen Euro beiträgt.

Exakt 8.504 Tiere sind in dem Verzeichnis des Tierbestands vom März  2011 aufgelistet, davon 5.663 Wirbeltiere in 874 Arten vom Kurzkopfgleitbeutler bis zum Zagros-Molch und 2.841 wirbellose Tiere in 145 Arten von Pfeilschwanzkrebs bis zum Seemannsliebchen (ja, ein Nesseltier). Alle sind sie ganz exakt gezählt, wo irgend möglich nach Männchen und Weibchen; nur in der Spalte mit den Roten Waldameisen steht bei der Anzahl „unbekannt“.

Gute Kinderstube

Und es kommen praktisch täglich neue Tiere dazu, wie der willkürlich gewählte Blick in die Geburtenstatistik zwischen Sommer 2010 und Sommer 2011 beweist. Am 21. August 2010 wird mit Fu Hu bereits der zweite in Schönbrunn gezeugte Große Panda geboren. Nach einem Monat ist der Kleine etwa so groß wie ein Meerschweinchen und bringt rund 1.200 Gramm auf die Waage. In dieser Phase wird Fu Hu noch von seiner Mutter Yang Yang gewärmt, die ihn die meiste Zeit zwischen ihren vergleichsweise riesigen Pfoten hält. Alle vier Stunden kuschelt sich der kleine Pandabär an ihre Brust, trinkt kräftig und schmatzt dabei laut.

Im Oktober 2010 kommen bei den Halsbandpekaris im Abstand von mehreren Tagen drei Mal Zwillinge zur Welt. Auf den ersten Blick sehen die Pekaris wie zu klein geratene heimische Wildschweine aus, tatsächlich leben diese anpassungsfähigen Tiere aber in den Savannen und Regenwäldern Mittel- und Südamerikas. Gleich nach der Geburt markieren die erwachsenen Tiere den Nachwuchs mit einem Sekret aus Drüsen, die sich unter den Augen und am Rücken befinden. Diese Duftnote stärkt die Familienbande und hilft den Pekaris, ihre Verwandtschaft zu erkennen.

Am 8. Oktober wird der Pferdeantilopen-Bock Rasco geboren – von Natur aus mit sehr großen Ohren. Pferdeantilopen sind nach den Elenantilopen die größten Antilopen Afrikas. Ihren Namen verdanken sie dem pferdeähnlichen Schnauben, das sie bei Gefahr ausstoßen. Weltweit nimmt ihr Bestand durch den Verlust ihres Lebensraumes ab. Artenschutz und Arterhaltung zählt zu den wichtigsten Aufgaben des Tiergartens. Bei der Partnerwahl wird dementsprechend nichts dem Zufall überlassen, die Zucht wird international koordiniert. So wurde Rascos Mutter Emi vor zehn Jahren in Schönbrunn geboren, sein Vater Ken kam 2009 aus Dortmund nach Wien.

Premiere im November: Bei den Beulenkrokodilen schlüpfen drei Jungtiere – der erste Krokodilnachwuchs überhaupt in der Geschichte des Zoos. Die hellgold und schwarz gefärbten Jungtiere messen gerade einmal 30 Zentimeter, wiegen rund 80 Gramm und haben winzige, spitze Zähne. Auf ihrem Speiseplan stehen Insekten und Regenwürmer. Die Vorgeschichte des Erfolgs: Seit 2008 entwickelten die Tierpfleger gemeinsam mit der Tiertrainerin ein Übungsprogramm, das nicht nur den Alltag des Krokodil-Paares Puebla und Durango bereichern, sondern auch dazu beitragen sollte, dass sich das Krokodilweibchen beim Brutgeschäft durch nichts stören lässt.

Am 6. Dezember 2010 kommt ein Zweifingerfaultier zur Welt, in Schönbrunn erst die zweite Nachzucht dieser ungewöhnlichen Tierart, die ihr Leben kopfüber hängend in den Bäumen verbringt. (Das Geschlecht des Jungen – ein Männchen – ließ sich erst nach einem halben Jahr feststellen, weil, wie alles, auch das Wachstum bei Faultieren außerordentlich langsam verläuft.)

Exotische Tiere aus nah und fern

Im Januar 2011 steckt der Känguru-Nachwuchs erstmals seinen Kopf aus Mutters Beutel. Fünf Monate zuvor nach einer extrem kurzen Tragzeit von fünf Wochen geboren, krabbelte es haarlos, rosafarben und kaum entwickelt von der Geburtsöffnung in den Beutel und saugte sich dort an einer Zitze fest. Im Beutel fand dann die Entwicklung statt, die sich bei anderen Säugetieren im Mutterleib vollzieht.

Am 6. Februar 2011 kommen drei Erdmännchen nackt und blind zur Welt. Einen Monat später verlassen sie den schützenden Bau und gehen auf Erkundungstour. Die Drillinge werden zu diesem Zeitpunkt noch von ihrer Mutter gesäugt, ein paar Wochen später stehen die ersten Insekten auf ihrem Speiseplan. Erdmännchen leben in sozialen Gruppen in den Savannen im Süden Afrikas und betreuen ihren Nachwuchs gemeinsam. Bereits wenige Tage nach der Geburt ist die Mutter nicht mehr die einzige Bezugsperson für die Jungen. Ein anderes erwachsenes Tier übernimmt die Rolle des Babysitters.

Zu Frühlingsbeginn sind im Tiergarten Schönbrunn jede Menge Jungtiere zu beobachten. Drei kleine Mähnenspringer – gerade einmal eine Woche alt – toben trittsicher über den Geröllabhang in ihrem Gehege wie in ihrer ursprünglichen Heimat, den Felswüsten Nordafrikas. Gegenüber sind die Kormoran-Eltern damit beschäftigt, ihre laut bettelnden Küken zu füttern, die Anfang März geschlüpft sind. Gierig fressen sie den hervorgewürgten Fisch aus dem Schnabel ihrer Eltern. Nachwuchs gibt es am 4. März auch bei den Pustertaler Sprinzen am Tirolerhof. Zur Kaiserzeit war diese schwarz-weiß oder braun-weiß gefleckte Rinderrasse in den Wiener Molkereien besonders gefragt. Damals entstand auch die Bezeichnung „Wiener Kuh“. Nachdem die Zucht vernachlässigt wurde, zählte man in den 1980er Jahren nur noch 77 Tiere. Im Tiergarten Schönbrunn gelang die Erhaltung dieser bedrohten heimischen Haustierrasse.

Im April 2011 schlüpfen 16 Waldrapp-Küken. Besucher können bis Ende Mai mitverfolgen, wie sie mit der Hand aufgezogen werden. Alle zwei Stunden füttern Steffi Heese und Daniela Trobe die Vogelkinder mit Insekten und einem Fleischbrei. Eine Gruppe engagierter österreichischer Wissenschaftler versucht, handaufgezogenem Nachwuchs aus Zoos die nötigen Kenntnisse zum Überleben in freier Wildbahn beizubringen. Das ist nicht so einfach. Waldrappe sind Zugvögel. Für eine erfolgreiche Wiederansiedlung müssen die menschlichen Zieheltern den Jungvögeln mit Hilfe von Ultraleichtflugzeugen die Flugroute in ihre Überwinterungsgebiete in Italien zeigen. Deshalb ist es wichtig, dass die Vögel auf Menschen geprägt werden. Tag und Nacht verbringen die zwei Vogelexpertinnen bei ihren Schützlingen. Den Ruf „Waldis, komm, komm!“, mit dem sie später vom Flugzeug aus gelockt werden, lernen sie von Anfang an kennen.

Deutlich schwerer ist mit 25 Kilo der Nachwuchs im Bisongehege. Menewa wird als ausgewachsener Bulle 800 Kilogramm auf die Waage bringen. Sein Vater ist der 19-jährige Bulle Lakota, der 1992 im Alter von einem halben Jahr als Geschenk der Lakota-Indianer South Dakotas an den Tiergarten übergeben wurde. Die Ankunft von Lakota war wichtig für die internationale Zucht in Menschenobhut, weil durch ihn für eine genetische Auffrischung gesorgt wurde. Seine rund 40 Nachkommen sind mittlerweile über ganz Europa verteilt.

Im Mai schlüpfen 13 Küken bei den Rosa Flamingos. Weitere Eier werden noch bebrütet. Die ersten Flamingoküken verlassen bald die Nester – eigentlich Schlammkegel – und werden von den erwachsenen Vögeln gemeinsam wie in einem Kindergarten betreut. Die Eltern finden ihren eigenen Nachwuchs in der Gruppe mühelos wieder, um ihn zu füttern. Ernährt werden die Jungen in den ersten Monaten mit der so genannten Kropfmilch, einer fett- und eiweißreichen Absonderung aus Drüsen in der Speiseröhre. Das Aussehen der frisch geschlüpften Küken ähnelt noch gar nicht dem eines ausgewachsenen Flamingos: Die Beine sind dick, die Schnäbel gerade, und das Daunenkleid ist unscheinbar grau. Erst im Alter von etwa drei Jahren sind die Vögel bis zur letzten Federspitze rosa gefärbt.

Ebenfalls erfolgreich verläuft die Brutzeit bei den stark gefährdeten Mandschurenkranichen, die in Ostasien heimisch sind. Am 9. Mai schlüpft ein goldgelbes Federknäuel auf viel zu groß wirkenden Füßen. Als Nestflüchter spaziert das Küken unmittelbar nach dem Schlupf an der Seite seiner Eltern durch die Wiese und pickt Insekten, Regenwürmer und Körner, wie es ihm die Eltern mit ihren langen Schnäbeln vormachen. In Japan gilt der weiß-schwarze Vogel mit dem roten „Krönchen“ als Glücksbringer und Symbol für ein langes Leben. Tatsächlich steht sein eigenes Überleben auf dem Spiel. Große Teile seines angestammten Biotops wurden in Agrarflächen umgewandelt, so dass im Freiland heute nur noch rund 2.000 Vögel leben. Schönbrunn beteiligt sich am europäischen Erhaltungszuchtprogramm und hat, was für Tiergärten außergewöhnlich ist, regelmäßig Nachwuchs.

Im Rentiergehege kommen zur gleichen Zeit im Abstand von wenigen Tagen zwei Männchen und zwei Weibchen zur Welt – die ersten Jungtiere seit drei Jahren. Verantwortlich dafür ist der neue Rentierbock Hank, der im September 2010, aus dem Zoo Gelsenkirchen kommend, offenbar sofort Anschluss bei den sechs Rentier-Ricken gefunden hat.

Und im Juni 2011 verlassen acht Ziesel-Junge erstmals das Höhlenlabyrinth ihres unterirdischen Baus im Garten des Wüstenhauses aus dem Jahr 1903. Auf ihren Hinterbeinen stehend, erkunden sie die Umgebung, knabbern an Grashalmen oder verstecken sich in der Futterschüssel, aus der sie bereits wie die erwachsenen Ziesel Gemüse, Körner sowie gelegentlich Insekten fressen. Währenddessen wachen die Zieselmütter über sie, immer auf der Hut vor möglichen Feinden. Bereits beim geringsten Anzeichen von Gefahr stoßen sie einen schrillen Pfeifton aus. Dann verschwindet die Ziesel-Kolonie blitzschnell in ihren weit verzweigten Gängen und Höhlen unter der Erde.

Eine einzigartige Kombination

Es ist eine einzigartige Kombination von vermeintlich widersprüchlichen Elementen: Imperiale Pracht und global vernetzter Artenschutz, prächtiges Barock und exzellente Wissenschaft, amüsante Erlebnislandschaft und ökologische Bewusstseinsbildung, professionelles Management und hingebungsvolle Tierpflege. Genau diese Kombination hat dazu geführt, dass der Tiergarten Schönbrunn im Jahr 2010 erneut zum besten Zoo Europas gekürt wurde. Der britische Zoo-Experte Anthony Sheridan verglich 80 wissenschaftlich geführte Zoos in 21 europäischen Ländern anhand von umfangreichen Fragebögen, Jahresberichten und Gesprächen mit den Zoodirektoren miteinander.

Die Qualitätsbeurteilung stützt sich auf 26 Kriterien – unter anderem Tierhaltung, Artenvielfalt, Artenschutz, Investitionen, Marketing, Besucherzahlen, Zoopädagogik und Personal. In der Kategorie „Zoos mit mehr als einer Million Besucher pro Jahr“ erreichte der Tiergarten Schönbrunn 83,5 Prozent der möglichen Punkte – und damit mehr als jeder andere Zoo des Kontinents. Unter den vielen Eigenarten, die Sheridan in Schönbrunn ausfindig machen konnte, zählt eine besonders rare Spezies. In der Kategorie der europäischen Großzoos gibt es nur drei Direktorinnen. Dagmar Schratter ist seit 2007 eine von ihnen. Ihr Kommentar zu der Auszeichnungen darf als Motto ihrer Arbeit verstanden werden: „Wenn wir unsere Besucher für die Welt der Tiere begeistern, fördern wir das Bewusstsein für deren Schutz. Der Preis beruht auf einer Summe von Faktoren und deshalb gilt mein Dank jedem einzelnen Mitarbeiter.“

„Tiergarten Schönbrunn. Mythos und Wahrheit“ von Dagmar Schratter (Hrsg.) und Oliver Lehmann (Autor), Christian Brandstätter Verlag, 112 Seiten mit ca. 150 Abbildungen; 9,90 Euro

 

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