Anfang September habe ich – ewig angeregt durch den Text einer Kollegin – an der Transhumanz vom Ötztal ins Schnalstal teilgenommen: Dem saisonalen Zug von 1500 Schafen mit ihrem Personal über den Hochjochferner von den Nordtiroler Sommerweiden in ihre Südtiroler Ställe. Seit 6000 Jahren sollen die Herden diese Wege begehen, Ötzi ist unweit von hier gefunden worden. Weiterlesen →
„Wir leben in einer merkwürdigen Zeitung“, schrieb Kurt Tucholsky einst. Wer wollte ihm widersprechen? Wobei: Merkwürdig ist ein Hilfsausdruck. Die Zeit ist fordernd, die Meldungen aus den Krisenherden dieser Welt oft überfordernd. Und jene Zeitungen – heute: Medien –, die qualitätsvoll und bedacht Einordnung schaffen würden, stehen unter dem Druck der virtuellen und realen Schreihälse, die ein absolutistisches Verständnis von Wahrheit haben, kein dynamisches, das die Grundlage der wissenschaftlichen Methode bildet. In einer Zeit der Umbrüche mag die Sehnsucht vieler Menschen nach Eindeutigkeit verständlich sein, die Ausbeutung dieser Sehnsucht für totalitäre Zwecke ist es nicht. Weiterlesen →
Heute wurde Werner Vogt auf dem Neustifter Friedhof oberhalb von Wien zu Grabe getragen. Viel Gutes und Richtiges ist über ihn zum Abschied gesagt worden, etwa von Armin Thurnher. Als angenehm empfinde ich, dass die Heuchler diesmal schweigen; jener Typus, der sich sonst nach Kräften bemüht, Menschen wie Vogt Steine in den Weg zu rollen, ihre Schläge als vermeintliche Ratschläge tarnen, Karrieren mit Lebensläufen verwechseln, kurz: die Existenz von Renitenz als so bedrohlich für ihre Halbherzigkeit empfinden, dass sie ihre Aversionen nicht mehr als Hinterfotzigkeit tarnen können und die blinde Wut aus ihnen hervorbricht. Werner Vogt hat in hierzulande seltener Eindeutigkeit Mißstände und dafür Verantwortliche benannt. Erst in der Medizin und dann unausweichlich in Gesellschaft und Politik. Er hat sich so gegen Vereinnahmungen erfolgreich gewehrt, auch postum. Auch dafür gebührt ihm Respekt.
Die wahrscheinlich größte Erbse der Welt zu Gast aus Brünn im Arkadenhof des Rathauses / Foto: R. Ferrigato
Die Erkenntnis ist ganz simpel, auch wenn es simple Gemüter gibt, die den Zusammenhang nicht verstehen wollen: Die Rückkehr auf das Tanzparkett wird uns ermöglicht durch die Wissenschaft. Und sie wird auch nötig sein, um die ganz großen Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen: Demographie, Digitalisierung, Mobilität, Energie und Klima. Oder wie unlängst auf Twitter gesehen: „Every story is a climate story.“ Die Felder sind entweder teilweise oder ganz zentral von der Frage betroffen, wie wir den Klimawandel und seine katastrophalen Auswirkungen bewältigen werden.
Anton Zeilinger ist nicht nur ein herausragender Wissenschaftler. Ganz früh hat er die Bedeutung der Wissenschaftsvermittlung erkannt. Was erklärt, warum er so gerne auf den Wissenschaftsball geht.
Zwei Nobelpreisträger im Frack: Eric Kandel (Medizin 2001) und Anton Zeilinger (Physik 2022) beim Ordensvergleich am Wissenschaftsball 2017 / Foto: R. Ferrigato
Für die allermeisten frisch gekürten Nobelpreisträger (und die allermeisten sind noch immer Männer) beginnt die Planung der Preiszeremonie mit der Bestellung des allerersten Fracks ihres Lebens. Dementsprechend steif wirken die Wissenschaftler bei der Entgegennahme der Urkunde und der Medaille durch den schwedischen König. Die Einkleidung ist ohne Übung schon eine ziemliche Herausforderung; Naturwissenschaftler sind im Regelfall nicht für textile Finesse bekannt. Und sind Weste, Hemd (eigentlich ein gestärkter Latz), Elfenbeinknöpfe und weiße Masche aus Baumwollpikee erst einmal angelegt, bleibt dem Träger eigentlich gar nichts mehr üb-rig, als sehr steif und halbwegs würdig die Bühne des Stockholmer Konzerthauses zu queren und sich zu verbeugen.
Some summer songs. As usual a random selection of inspiring and reflective tunes. This year may be even more eclectic than usual, but hey. I do not own the rights to any of these songs. Go and buy the music. Lists from the past can be found here. See tracks (slightly modified and not remastered) also on Spotify and YouTube
Seit einigen Jahren vertrete ich das Institute of Science and Technology Austria als Direktionsrat in der Handelskammer Schweiz-Österreich-Liechtenstein. Anläßlich der 99. Generalversammlung, die im Juni auf dem ISTA Campus stattfand, wurde ich für das Mitgliedermagazin hub interviewt. Das Coverfoto stammt von Sabine Hauswirth.
Das Cover der Falter-Ausgabe 10/22 hat heftige Reaktionen ausgelöst. Ich habe mir in einem Leserbrief überlegt, warum.
Das Falter-Cover ist kein schöner Anblick, weil es ein schöner Anblick ist. Die heftigen Reaktionen dokumentieren, dass das Bild nach den Maßstäben der Covergestaltung „funktioniert“. Es kondensiert ein unfassbares Thema zur unmittelbaren Verständlichkeit. Ein einziger Blick reicht, um die Geschichte zu erfassen. Diese Geschichte wollen wir nicht hören, weil sie von Krieg und Zerstörung handelt, und von dem möglichen Tod des abgebildeten Paares. Der Reflex ist nachvollziehbar, aber er hilft nicht bei der Analyse.
Some summer songs. As usual a random selection of inspiring and reflective tunes. This year may be even more eclectic than usual, but hey. I do not own the rights to any of these songs. Go and buy the music. Lists from the past can be found here. See tracks also on Spotify (slightly modified) and YouTube
Im April 2020 nach circa einem Monat des ersten Lockdowns folgte ich einem Aufruf des Wien Museums, das die Öffentlichkeit um Dokumente im Stadtbild gebeten hatte, die „vom veränderten privaten oder beruflichen Alltag in Zeiten der Pandemie erzählen“. Ich übermittelte dem KuratorInnen-Team ein Foto, das ich von einer Notiz an der Tür eines Bordells in meiner Nachbarschaft gemacht hatte: