Archiv des Autors: OL

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Oliver Lehmann schreibt Texte und Kontexte in Form von Reportagen, Büchern, Moderationen, Konzepten und Notizen. Für sich und andere. Auf Deutsch. And in English.

13|04|07: On Britishness

„The British are supposed to be self-doubting rather than self-righteous – since the dissolution of empire, anyway. It’s one of the things I’m most patriotic about. From our awkwardness and embarrassment has sprung a complexity of literature, comedy and pop music that no other country can touch, for all their sunny weather and expressive street carnivals. You don’t get Fawlty Towers, Morrissey and Martin Amis from a nation that likes itself.“

Victoria Coren in „George Osborne, gawd bless yer“, The Observer, http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/apr/07/george-osborne-does-mockney-accent

13|04|06: Erinnerungs-Päckchen

Aus der Kategorie „Sätze, für die es sich zu lesen lohnt“

„Ja, daran glaube ich: Erst wenn ich es geschafft haben werde, all diese abgelegten Erinnerungs-Päckchen wieder aufzuschnüren und auszupacken, erst wenn ich mich traue, die scheinbare Verläßlichkeit der Vergangenheit aufzugeben, sie als Chaos anzunehmen, sie als Chaos zu gestalten, sie auszuschmücken, sie zu feiern, erst wenn alle meine Toten wieder lebendig werden, vertraut, aber eben auch viel fremder, eigenständiger, als ich mir das jemals eingestanden habe, erst dann werde ich Entscheidungen treffen können, wird die Zukunft ihr ewiges Versprechen einlösen und ungewiss sein, wird sich die Linie zu einer Fläche weiten.“

Joachim Meyerhoff in “ Wann wird es endlich so, wie es nie war“ (KiWi, 2013)

 

13|04|05: Begegnungen auf Augenhöhe

Universum Magazin, April 2013

Der Wiener Fotograf Lukas Beck dokumentiert mit seinem ersten Universum-Film das Verhältnis zwischen Tieren und Pflegern in Schönbrunn. Das Ergebnis erzählt von Respekt und Vertrauen – und präsentiert bemerkenswerte Porträts von Menschen und Tieren. 

ostbahn11beck

Schmal, sehnig, den Kopf in den Nacken gelegt: Eine kaum bezähmbare Urgewalt, die einen allerletzten Moment lang innehält, um Kraft zu sammeln für die finale Attacke. Wie jede brauchbare Ikone verdichtet das Bild von Willi Resetarits alias Ostbahn-Kurti nicht nur die Stimmung an diesem 29. Juni 1991 auf dem „Ostbahn 11“-Platz in Wien-Simmering; das Bild macht mehr: Es zieht den Betrachter in das Geschehen, lässt ihn teil werden mit dem Ganzen der 13.000 Fans, reizt nicht nur den optischen Sinn. In den Ohren wummert der Bass, in die Nase steigen Geruchsfetzen von Langos, Bier und sehr viel Schweiß, die Stimme wird heiser vom Kollektiv-Choral des „57er Chevie“. Weiterlesen

13|03|30: Expedtion in den Großstadtdschungel

InDerStadt_JaunNatürlich war die Natur nie wirklich aus dem Stadtbild verschwunden – und damit sind jetzt nicht diverse Grünanlagen als ausgeschilderte Restreservate gemeint. Alle möglichen und ein paar unmögliche Spezies haben sich schon immer in Thermodämmungen und unter Dachsimsen, in Kellergeschossen und in Dachböden eingenistet und in ihrer ganz speziellen ökologischen Nische eingerichtet. Weiterlesen

13|03|30: On objectivity

„(J)ust how far can we use our own cultural and moral values to illuminate a very different situation from our own, particularly when the evidence for that ancient society is so patchy? Is objectivity even possible? The answer is that there can be no right or definite answer. All we can do is ask appropriate questions, evaluate the evidence as carefully as we can in the hope that understanding its context may help towards a solution, and be aware that historical interpretations are, in fact, just that – they are not full answers or complete narratives, but readings of ancient evidence made from particular modern perspectives.“

Hope V. and Huskinson J., „The Roman Family“ in Rome – City of People (Milton Keynes, 2006)

13|03|26: Abzweigung ins Abseits

HaltetDieWeltAn_HammelmannDie Verlockung kennt jeder: Einmal Aussteigen und sei es nur auf Zeit. Iris Hammelmann hat den Schritt 2011 gewagt und ist mit einem äußerst lesenswerten und hübschen Buch zurückgekommen. Statt auf die vordergründige Auflistung von mehr oder weniger prominenten  beziehungsweise freiwilligen Aussteigern zu setzen hat sie die Exponenten in fünf Kapitel klug gegliedert. Weiterlesen

13|03|22: Nackte Maulbeeren

Layout 1Der Untertitel stellt klar, dass es sich bei dem Buch nicht um ein Nachschlagewerk des botanischen Halbwissens geht. Im Gegenteil, höchst profund vermittelt Autorin Ute Woltron “Selbstgemachte Köstlichkeiten aus Natur & Garten”, quasi die Fortsetzung zu ihrem Überraschungserfolg aus dem Jahr 2011 “99 Genüsse, die man nicht kaufen kann.” Weiterlesen

13|03|09: Hungerkur auf dem Küniglberg

„Kommentar der anderen“ in Der Standard  9./10.3.2013

Mit der Ausstrahlung der Pseudo-Doku über Lichtnahrung macht der ORF nicht nur seine eigenen Mitarbeiter lächerlich; er fördert insgesamt die Marginalisierung des Wissenschaftsjournalismus.

706436main_20121114-304-193Blend_M6-orig_fullDie Fragwürdigkeit des Films „Am Anfang war das Licht“ ist unter anderem von Klaus Taschwer ausführlich und bereits 2011 im Standard belegt worden. Die Ausstrahlung verweist auf ein prinzipielles Problem: Es geht um die kontinuierliche Marginalisierung von Wissenschaft in Leitmedien wie dem ORF mit den entsprechenden Folgen erst für die Kommunikation und dann für das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Der Duden definiert „Marginalisierung“ als „Abschiebung ins Abseits“, in diesem Fall in das Abseits der medialen Wahrnehmung und damit der gesellschaftlichen Diskutierbarkeit. Weiterlesen