13|04|28: Ohne Worte

Leben_DasLebenIn5Sek Auf den ersten Blick scheint es sich um die definitive Bankrotterklärung der abendländischen Lesekultur zu handeln: 200 Biographien von Gott bis Pippi Langstrumpf, die – wie der Verlag lauthals vermeldet – ganz ohne Worte auskommen. Ein paar Männchen, Pfeile und Symbole – Semantiker sprechen von Ideogrammen – reichen aus, die Essenz dieser Lebensläufe und Kulturleistungen zu generieren: von Madonna bis Maradona, von Hulk bis Hendrix, von Elvis bis Einstein, von Schumi bis Schwarzenegger, von Rotkäppchen bis zu Pulp Fiction. Zur Perfektion getrieben ist diese Kunst der Verknappung bei Michael Jackson: Vier Männchen von schwarz bis weiß illustrieren das ganze Elend dieser Karriere. Das Buch ist somit nicht nur ein kurzweiliges Divertimento, sondern auch ein hübsches Beispiel für Proto-Schrift.

Das Leben in 5 Sekunden. 200 Biographien von Gott bis Pippi Langstrumpf?“ von Matteo Civaschi und Gianmarco Milesi, Fischer Scherz, 256 Seiten, € 15,50

13|04|24: Soziale Wesen

Wissen_AmeisenWer jemals einen Sommernachmittag damit verbracht hat, einen Ameisenhaufen im halbschattigen Wald zu beobachten, ist sowieso schon überzeugt; nämlich von der ungeheuren Organisationsfähigkeit, dem Geschick und dem Fleiß dieser Tiere, deren kollektive Orientierung sich aus einem vermeintlich undurchdringlichen Chaos entwickelt.  Dementsprechend leicht fällt es nachzuvollziehen, warum sich Wissenschaftler wie Bert Hölldobler und Edward O. Wilson in sehr jungen Jahren entscheiden, ihren Erkenntnisdrang einer einzigen taxonomischen Familie zu widmen. Weiterlesen

13|04|20: Das Gelbe vom Ei

Das Huhn_Cover_DE_cw.inddUnter den Haustieren hat das Huhn nicht ein Mal einen schlechten Ruf: es hat gar kein Renommee, außer vielleicht der Zuschreibung „dumm“, die möglicherweise als Legitimation der ekelerregenden Zucht in großindustriellem Maßstab dient. Wer den vorliegenden Band zur Hand nimmt, wird ob seiner bisherigen Kenntnislosigkeit Abbitte leisten und fortan das Huhn ehren. Weiterlesen

13|04|17: Migräne: eine Selbsterfahrung

Aus der Kategorie “Sätze, für die es sich zu lesen lohnt”

„Ich bin kein arroganter Depp. Ich lasse mir durchaus Dinge sagen. Die Migräne ist eine Krankheit, die dich nachgerade dazu zwingt, tief in die eigenen Abgründe zu kriechen und zu analysieren, wie das alles so ist mit dir selbst. Das ist nicht immer lustig. Aber es ist eine gute Übung. Das eigene und das anerzogene Wertesystem, vermeintliche Schwächen und Stärken kommen auf den Prüfstand. Immer wieder. Alles wird hinterfragt. Bin ich zu ehrgeizig? Zu hektisch? Verlange ich mir zu viel ab? Zwingt mich der eigene Lebenswandel in die Knie, sodass ich, wie manche behaupten, durch die Migräne ein Ventil benötige, um Druck abzulassen? Bin ich wirklich selber schuld daran?“

Ute Woltron in „Wenn man tot sein will“, Die Presse, 13.4.2013. http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/1388430/Wenn-man-tot-sein-will?

13|04|16: Terra cognita

Leben_TieferGehenAuch in den kläglichsten Phasen der jüngeren Kärntner Landesgeschichte gab es ein paar widerborstige Menschen, die um die multikulturellen Potenziale der Region wussten und sie entsprechend vermittelten. Gerhard Pilgrim ist so einer dieser Widerständler, unterstützt vom Drava Verlag in Klagenfurt/Celovec. Mit „Kärnten. Unten durch“ hat das Autorenteam rund um Pilgram 2001 einen, leider noch immer vergriffenen Klassiker vorgelegt, der eine andere Geschichte erzählt, als jene, die von der regierenden Dumm- und Bosheit gewünscht war. Weiterlesen

13|04|14: „Eine neue Heimat und ein neues Glück“ (2009)

2009 erschien in Skills der folgende Text über Österreichs Pfadfinder in der NS-Zeit. Das Magazin wurde vom Dachverband der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ) herausgegeben und vom Wiener Verlag Monopol Medien produziert. Was mich Chefredakteur Thomas Weber zufolge als Autor qualifizierte, war meine Vergangenheit von 1974 bis 1977 als Späher bei der Gruppe 41 „Prinz Eugen“ in Wien.

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13|04|12: Schriftbild

Wissen_Robinson#1Biologisch mag die Evolution zu diesem Zeitpunkt vor vielleicht 20.000 Jahren ihr Werk bereits verrichtet haben, aber es lässt sich durchaus argumentieren, dass es erst die Schrift ist, die den Menschen zu jenem Geschöpf macht, das sich die Welt nach seinen Vorstellungen (unabhängig von den Konsequenzen) zu gestalten vermag. Mit der Schrift löst sich der Mensch nicht nur aus der Gleichförmigkeit der Zeit, sondern auch aus der Zeit selbst. Weiterlesen

13|04|10: Abschied vom Universum Magazin

Universum-LogoDieser Tage ist meine Funktion als Co-Herausgeber des Universum Magazins zu Ende gegangen. Damit endet nach 15 Jahren meine Tätigkeit für jene Zeitschrift, deren erste Ausgabe ich als Chefredakteur im Mai 1998 herausgebracht habe. Ich danke allen AutorInnen, FotografInnen, GrafikerInnen und KollegInnen, die mich dabei begleitet und so dieses Magazin ermöglicht haben. Einige weiße Flecken auf der Landkarte des Wissens und der Wahrnehmung konnten wir gemeinsam kolorieren, einige dunkle Stellen der Ignoranz ausbürsten. Es lohnt daran zu erinnern, dass ein Magazin nur so gut ist wie die kreativen Menschen, die dafür tätig werden. Ich beglückwünsche das lesende Publikum zu der Redaktion und allen MitarbeiterInnen des Verlags, die beharrlich hervorragende Arbeit leisten. Und ich freue mich darauf, mich anderen und neuen journalistischen Aufgaben zu widmen.

Mein letzter Text in der April-Ausgabe im Universum Magazin: Begegnungen auf Augenhöhe

13|04|08: Letzte Refugien

Urwald_SU.inddExpeditionen vor der Haustür galten seit der ersten Ausgabe als Markenzeichen des Universum Magazins. Mitte der 1990er Jahre waren Gegenden wie der Rothwald zwischen Ötscher und Hochkar oder das Thayatal bei Hardegg einer größeren Öffentlichkeit noch unbekannt. Dass immer mehr Menschen inzwischen der Wert dieser Refugien bewusst ist (und die Politik dieser Erkenntnis etwa in Form von Nationalparkgründungen folgt), haben wir Autoren wie Matthias Schickhofer zu verdanken. Weiterlesen