26|09|30: Stiftungen stärken

VgS GF Günther Lutschinger, OL ©VgS/Ludwig Schedl

Einer meiner Lieblingshüte, die ich so aufsetze, ist jener des Vorstandsmitglieds des Verbands für gemeinnütziges Stiften; ehrenamtlich, klar. Der VgS vertritt die gemeinnützigen Stiftungen, die in Österreich im Gegensatz zu Westeuropa in der Minderheit sind. Dabei erfüllen Stiftungen ganz wesentliche Funktionen der Zivilgesellschaft und für das Gemeinwohl. Um dies Funktionen auch in Österreich und vor allem in Wissenschaft und Forschung zu stärken, haben wir diese Themen zum Jahresschwerpunkt erhoben und am 30.09.2026 eine Tagung dazu organisiert. Ich habe an der Gestaltung des Programms mitgewirkt und die Tagung moderiert:

Guten Tag, meine Damen und Herren. Wen Sie da hören, ist unverwechselbar, nämlich Dolly Parton. Was der unlängst verstorbene Country Star mit der heutigen Veranstaltung zu tun hat, erzähle ich Ihnen gleich.

Mein Name ist Oliver Lehmann und ich darf Sie in meiner Funktion als Vorstandsmitglied des Verbands für gemeinnütziges Stiften sehr herzlich begrüßen.

Ebenfalls begrüßen darf ich unsere Präsidentin Katharina Turnauer und meine KollegInnen im Vorstand Therese Niss, Sandra Sonnleitner und Franz Prüller sowie unseren Geschäftsführer Günther Lutschinger, der nach der Pause die Moderation des Nachmittags übernehmen wird.

Wir als Verband richten zum allerersten Mal im Rahmen des Stiftungskongresses den Wissenschaftstag aus. Der Grund: Unser Jahresschwerpunkt „Wissenschaft und Forschung“ sprengt den Rahmen des bislang eintägigen Stiftungstags, der dementsprechend morgen in diesen Räumen stattfinden wird.

Lassen Sie mich allen PartnerInnen des Jahresschwerpunkts „Wissenschaft und Forschung“ danken, namentlich der B&C Privatstiftung, dem Rat für Forschung, Wissenschaft, Innovation und Technologieentwicklung (FORWIT), der Marshallplan-Jubiläumsstiftung, der TU Wien Foundation, dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) und dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung.

Was hat das nun mit Dolly Parton zu tun, werden Sie fragen. Die Antwort: Die legendäre Countrysängerin war als Unterstützerin von Wissenschaft und Bildung derart aktiv, dass ihr Nature, die wohl wichtigste Wissenschaftspublikation der Welt, in der Ausgabe vom 26. August einen Nachruf gewidmet hat: Eine Ehre, die den wenigsten WissenschaftlerInnen zu Teil wird – und bislang schon gar keinem Hitparadenstar.

Zwei von vielen Gründen für diese Ehre: Parton habe mit ihrer Millionenspende im März 2020 durch die Gründung des Dolly-Parton Covid-19 Funds wesentlich zur Entwicklung des Corona-Impfstoffs von Moderna beigetragen. 37 research papers führen den Parton-Funds als Unterstützerin an. Und mit ihrer Dollywood Foundation stellte sie seit 1995 die dauerhafte Finanzierung eines Literarisierungsprogramms von unglaublichen Ausmaßen sicher: Inzwischen erhält jedes sechste Kind in den USA im Alter von 0 bis 5 Jahren monatlich ein Buch der Dolly Parton Imagination Library – und wird so mit dem Lesen vertraut gemacht.

Dolly Parton wird ewig wegen solcher Songs wie „9 to 5“ in Erinnerung bleiben. Aber eben auch für ihre zutiefst humanistische Haltung, die sich in der Förderung von Wissenschaft und Bildung ausdrückte und in zentralen Teilen auch in der Zukunft durch ihre Stiftung organisiert wird. Mein Appell: Lassen Sie uns alle mehr wie Dolly Parton sein.

Was erwartet Sie heute? Um im Show Business Jargon zu bleiben: „We start with an earthquake, and then work up to a climax!“

Gleich im Anschluss begrüßen wir mit Rafael Lang von der Klaus-Tschira-Stiftung und Felix Streiter von der Carl-Zeiss-Stiftung Repräsentanten von zwei wirklich herausragenden best-practice Modellen für die Kooperation von Forschung, Wirtschaft und Gemeinwohl aus Deutschland.

Während die Anzahl der Privatstiftungen seit Jahren abnimmt, steigt das Engagement durch gemeinnützige Stiftungen: Philipp von Lattorff, Gabriele Ströck und Theresia Vogel erläutern in einem Podiumsgespräch, warum sie in jüngster Zeit Stiftungen mit starkem Wissenschaftsfokus gegründet haben.

Nach der Pause berichtet Peter Luckeneder von der Wings For Life Privatstiftung wie sich wissenschaftliche Forschung durch den Einsatz von Risikokapital beschleunigen lässt.

Prof. Reinhard Millner stellt im Anschluss dann die neue Studie der WU Wien zu Wissenschafts- und Forschungsstiftungen in Österreich vor: Erstmals können wir mit dieser Untersuchung einen umfassenden Überblick dieses Sektors mit ganz verblüffenden Details präsentieren. Die Ergebnisse analysieren dann Martin Hetzer vom ISTA, Sonja Sheikh vom FORWIT und Michael Stampfer vom WWTF sowie Hubertus Schmid-Schmidsfelden von der ÖAW.

Ohne die Ergebnisse der WU-Studie von Reinhard Millner et al im Detail nun vorweg zu nehmen, lassen sich schon einige wesentliche Erkenntnisse und Ableitungen herausarbeiten:

Stiftungen suchen die PionierInnen und HimmelsstürmerInnen, die von ordentlich geführten Strukturen unterstützt werden. Milner und KollegInnen erläutern die Gründe für diese Affinität zwischen Stiftungen und Forschung nicht nur mittels spektakulärer Beispiele im Ausland. Sondern auch anhand vielversprechender Ansätze in Österreich. Daraus lässt sich mehr machen.

Das Privatstiftungsgesetz von 1993 bewies, wie sich Rahmenbedingungen effektiv ändern lassen. Doch die Anzahl der Privatstiftungen nimmt seit 2012 ab. Die bemerkenswerte Zunahme von gemeinnützig agierenden Stiftungen hingegen dokumentiert, dass sich viele AkteurInnen gezielt für Zwecke wie Wissenschaft, Kultur und Bildung einbringen wollen. Durch einen Ausgleich der Interessen ließen sich zusätzliche Mittel für gemeinnützige Zwecke wie die Forschung aktivieren. Drei beispielhafte Maßnahmen:

1) Bislang sind StifterInnen und Begünstigte von Privatstiftungen von der Mitgestaltung der Stiftung ausgeschlossen – außer in gemeinnützigen Privatstiftungen. Um dem „Entweder/oder“-Dilemma zu entgehen (also entweder Aufrechterhaltung der Privatstiftung oder Umwandlung in eine gemeinnützige Stiftung), wäre ein „Sowohl-als-auch“-Prinzip vorstellbar: Privatstiftungen, die einen bestimmten Prozentsatz ihrer Erlöse – z.B. 20% – für gemeinnützige Zwecke ausschütten, erhalten Gestaltungsmöglichkeiten beim Begünstigteneinfluß und im Änderungsrecht.

2) In Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein werden Erträge gemeinnütziger Stiftungen nicht endbesteuert. Dadurch steigen die Ausschüttungen. Eine KESt-Befreiung wäre ein starker Anreiz für die Gründung und den Ausbau gemeinnütziger Stiftungen, entspräche westeuropäischen Standards und wäre technisch einfach umsetzbar.

3) Als wesentliches Hemmnis bei der Weiterentwicklung der Start-Up Szene in Österreich gilt der Mangel an Risikokapital. Der FORWIT hat erst unlängst wieder darauf hingewiesen. Eine Antwort in der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland ist die Ermöglichung der Nutzung von Stiftungserlösen für Impact Investment.

Zusätzliche Mittel sind gerade in der Wissenschaft aber nicht als budgetäre Lückenbüßer zu verstehen. Erneut zeigt der Blick ins Ausland, dass die Kooperation zwischen weitsichtig agierenden Stiftungen und klug organisierter Forschung auch die intelligente Neuausrichtung von Organisationsformen ermöglicht.

33 Jahre nach dem letzten markanten Impuls im Stiftungsrecht ist es Zeit für einen neuen mutigen Schritt. Oder anders gesagt: Lassen Sie uns alle mehr wie Dolly Parton sein.

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