11|09|01: Bissiger Hundebesitzer

Am Donnerstag, den 1. September fahre ich um 18.30 mit meinem Fahrrad auf dem (neu ausgewiesenen) Radweg entlang des Rings von der Operngasse Richtung Babenbergerstraße. Auf der Höhe des Hotel Le Meridien kommt mir ein Mann entgegen: Mitte 50, 175-180 cm, blauer Leinenanzug, helles Hemd, graues Haar, kleine Brillenfassung in Schwarz, eine Leine aus Leder und Kettengliedern über die Schulter gelegt. Neben ihm ein grauer Jagdhund – ein Weimaraner – von rund 80 cm Höhe, dementsprechend ohne Leine.  Der Mann schreit mich an: „Das ist kein Radweg, das ist ein Fußweg.“ Ich rufe ihm zu: „Sie irren sich.“ Der Mann holt mit seiner Leine aus und schlägt nach mir. Er verfehlt mich zwar, trifft aber das Rücklicht, das dadurch aus der Halterung gerissen wird. Ich bleibe stehen, um das Rücklicht aufzuheben, und lehne das Rad an einen Verteilerkasten. Der Mann kommt auf mich zu, hebt die rechte Hand und versucht wieder mit der Leine auf mich einzuschlagen: „Was willst Du? Schau, dass Du wegkommst.“ Ich hebe meine Arme und meinen linken Fuß, um seine Schläge abzuwehren; der Hund beißt mich währenddessen in den rechten Oberschenkel. Ich rufe: „Aus, er soll mich loslassen“. Der Mann brüllt weiter: „Du wirst mich kennenlernen.“ Der Hund lässt von mir ab und der Mann geht in jene Richtung, aus der er gekommen ist, also zurück Richtung Babenbergerstraße.

Ich verfolge den Mann mit einem Zeugen, der den Vorfall beobachtet hat. Der Zeuge versucht den Notruf der Polizei zu erreichen. Ich versuche mit meinem Handy Fotos von dem Hundebesitzer zu machen. Der Mann dreht sich wieder um und schreit: „Ein Foto willst Du? Das kannst Du haben! Das hast Du davon“, und schlägt wieder auf mich ein. Dabei fällt mein Handy zu Boden. Als ich danach greife, verbeißt sich der Hund in meinen linken Unterschenkel. Ich schreie: „Weg, der Hund soll weg.“ Der Mann hört auf, ruft den Hund zu sich und setzt seinen Weg Richtung Babenbergerstraße fort.

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Ein weiterer Zeuge meldet sich. Ich bitte ihn – so wie den anderen Zeugen – seine Daten als Sprachmemo auf mein Handy zu sprechen. Ich rufe den Polizeinotruf an und melde den Vorfall. Inzwischen kommt ein weiterer Zeuge, der den Vorfall vom Gastgarten des Hotel Le Meridien aus beobachtet hat. Kurz darauf treffen zwei Polizeibeamte ein, die sich den Vorfall schildern lassen. Ich begleite einen der Beamten zur Polizeiinspektion Goethegasse, während der andere die Aussagen der Zeugen protokolliert. Auf der Polizeiinspektion empfiehlt der Kommandant, die Rettung zu verständigen, die mich nach der Erstbehandlung ins AKH bringt, wo ich verarztet werde. Die Diagnose: Vulnus mors. cruris sin. (canis) = klaffende, blutende Wunde im linken Unterschenkel vom Hunde. Ich schicke dem Protokoll führenden Beamten per Mail das Foto des Mannes. Gemeinsam mit dem Bild eines Weimaraners wird es an alle Beamten in der Inspektion und an die Funkstreifen verteilt.

Eine erste Vermutung: Ein Mann mit dem Habitus und dem Akzent eines leicht entrüstbaren und ewig beleidigten Wieners, der sich gern als „bürgerlich“ bezeichnet – was mit dem „Bürger“ soviel zu tun hat wie „freiheitlich“ mit „Freiheit“. Er wohnt in der Gegend und geht regelmäßig mit seinem Hund dort spazieren. Er empfindet diese Gegend als sein Revier. Trotzdem soll er den Hund an der Leine führen und seit einiger Zeit gar dessen Kot wegräumen. Zudem empfindet er die steigende Anzahl an RadfahrerInnen als Zumutung. Die Stadt verändert sich. Das ist nicht mehr seine Stadt. Das macht ihn aggressiv.

Sachdienliche Hinweise werden von jeder Polizeiinspektion entgegen genommen, so zum Beispiel von der PI Goethegasse unter Tel: 01/31310-21334.

 

12 Gedanken zu „11|09|01: Bissiger Hundebesitzer

  1. Manuel Gruber

    Hallo,
    gibt es erwähnenswertes bezüglich des „Ausgangs“ der Geschichte?

    mfg,
    Manuel Gruber

  2. Hans Doppel

    Ganz einfach, sagt der „Doppler“…
    Der Radweg hätte dort in die Nebenfahrbahn gehört, aber da hätte Frau Bezirksvorsteherin Stenzel auf ca. 50 Parkplätze verzichten müssen!?
    Oder man hätte gar – um ein fast schon abgegriffenes Wort zu verwenden – an eine „nachhaltigere“ Lösung denken können: Den Ring im allgemeinen Begegnungsverkehr als Tempo 30 Zone organisieren und die Radler von den Fußgängerflächen wieder weg bringen!
    Was soll die Raserei auf 3 bis 5 Spuren von roter Ampel zu roter Ampel?
    Passt das zu einer „Prachtstraße“? Und gehören die Autos eigentlich zum Szenario eines „Weltkulturerbes“?

  3. Hans Doppel

    Eine entsetzliche Geschichte, die Ihnen da passiert ist…
    Aber sie wirft ein bezeichnendes Licht auf das ungute „Verkehrsklima“ unserer Stadt – dass gewisse Medien die Sache noch verschlechtern ist eh klar.
    Leider kann sich die Politik nicht entschließen mit einer klugen Medienkampagne, entschieden dagegen zu steuern, ja gerät noch dazu ins schiefe Licht, wenn etwa „Nummerntafeln“ für Fahrräder gefordert werden. In diesem Fall hätte ja die „Nummerierung von Fußgängern“ der Polizei die Arbeit unter Umständen erleichtert!?
    Der Herr, der auf Sie losgegangen und seinen Hund auf Sie hetzte, tat nichts anderes als jenen Bereich, der früher allein den Fußgängern gehörte, zu verteidigen – natürlich mit untauglichen Mitteln!
    Aus populistischen Gründen des Km-Zählen wieder Fußgängerflächen dem Radverkehr zur Verfügung zu stellen, wird mittlerweile von vielen Fachleuten abgelehnt, leider hört man nicht diese Botschaft?
    Ich habe im Jänner 2011 dieses in der „Fachkommission Verkehr“ im Rathaus vorgestellte Projekt abgelehnt, bin aber allein geblieben…
    Was wäre die Alternative zu den Radwegen in den Reitalleen?
    In diesem Bereich etwa die Nebenfahrbahn: Das Fahrrad ist nach StVO(Straßenverkehrsordnung) ein Fahrzeug und hat auf Gehsteigen nichts verloren!
    Aber: Einen Verlust von ca. 40 Stellplätzen konnte man „politisch“ nicht verkraften, also wählte man wieder eine billige Variante, eben einen Geh- und Radweg in der Reitallee!
    Von den Verantwortlichen kümmert sich niemand um die einfache Tatsache, dass der Geschwindigkeitsunterschied zwischen einem Radfahrer und einem Fußgänger ungleich größer ist, als der zwischen Radfahrer – Auto, es aber nach aller Erfahrung zwischen Fußgängern und Radfahrern nur selten zu wirklichen Unfällen, sondern bloß zu Konflikten kommt.
    So wird halt „weitergewurschtelt“ in Wien… im großen „Welttheater“!
    Viele Grüße und ich hoffe, dass man den noblen Herrn samt seinem Rassehund bald erwischt, schon der Genugtuung wegen.
    Hans Doppel
    0676/507 13 09
    ARGUS – Die Radlobby
    1040 Wien, Frankenberggasse 11
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    h.doppel@argus.or.at
    http://www.argus.or.at

    1. soiss

      „Der Herr, …, tat nichts anderes als jenen Bereich, der früher allein den Fußgängern gehörte, zu verteidigen “
      ja, und? die zeiten wandeln sich. sonst müssten die fiaker auf die motoristen einschlagen, denn sie tun nichts anderes als, ihren bereich, der einstmals den kutschern gehörte… und überhaupt die italiener auf die wiener, weil römer…

      auch wenn’s nicht zum thema passt: dopplers beitrag 2 x gelesen, aber ganz klar wird’s mir nicht, was hans doppel von argus in der sache rad-in-wien will?
      soiss
      radler, hundler, motorist, füßler, reitler

  4. Michael Moser

    Ich arbeite im Kunsthistorischen Museum und mein Weg führt mich täglich zwischen Goethegasse und KHM bzw. Heldenplatz! Der besagte Herr hatte vor kurzer Zeit noch 2 Weimaraner, beide niemals angeleint und auch kein Beisskorb. Es gab schon mehrere Bitten von Passanten und auch anderen Hundebesitzern die Hunde anzuleinen, die immer mit frechem und arrogantem Geschnautze abgetan wurden.
    Er geht auch mit den Hunden durch den Burggarten, was laut Beschilderung nicht erlaubt ist. Ich habe ihn heute, ohne Hund, um 8 Uhr 30 am Opernring Richtung Karlsplatz gehen sehen. Nachdem diese Gegend ja offensichtlich sein „Revier“ ist müsste er leicht ausforschbar sein. (Meine Vermutung: Rechtsanwalt).
    L.G., Michael Moser

  5. Manuel Gruber

    ich war live dabei.
    als du gemeint hast:“ er hat mich gebissen“ hab ich geantwortet:“aber nicht der mensch, sondern das tier!“ ich hab den herrn übrigens etwas später in der operngasse mit seiner frau, ohne hund, in ein taxi steigen sehen. er dürfte sich umgezogen haben, da er ein feuerrotes sakko an hatte, welches seine innere rage nach außen trug. ich hoffe die wunde des bisses ist am verheilen!
    lg,
    manuel gruber, der akademiestudent
    hundebesitzer und fahrradfahrer

    1. OL Beitragsautor

      Danke Dir nochmal. In solchen Situationen ist es enorm hilfreich, eine derartige Unterstützung zu erfahren. Danke auch für die Hinweise. BG OL

  6. soiss

    p.s.: eine relativ blaue argumention? ja, vielleicht, aber nicht jeder der blau argumentiert, macht blaue kreuzerl. u. a. deshalb argumentiert er – solange das noch möglich ist.

  7. soiss

    „Er empfindet diese Gegend als sein Revier. Trotzdem soll er den Hund an der Leine führen und seit einiger Zeit gar dessen Kot wegräumen…das macht ihn agressiv.“: demnach müssten 90% aller wiener offensiv agressiv sein, weil sich deren umfeld teilweise massiv ändert und dieser „Herr“ macht nicht gerade den eindruck, von existenzängsten und wohnungsnot geplagt zu sein. eine universumsausgabe über herrische hundebesitzer mit animalischem territoralbewußtsein und rechtsstaatlich nicht hinnehmbaren sozialverhalten müsste gemacht werden unter der rubrik „medizin – psychiatrie – (selbst)justiz aktuell.“
    klar ist mir, dass man als derart massiv attackierte radfahrer unmittelbar geschockt ist, ergo respekt vor dem fotoversuch. unklar ist mir, wie man als journalist derart kalmierend argumentieren kann. unklar ist mir auch, warum nicht die zahlreichen zeugen den mann aufgehalten, oder zumindest mit sicherheitsabstand, gemächlich verfolgt haben?
    abgesehen von seiner gehirntumorverdächtigen verhaltensweise ist der mann ein akutes sicherheitsrisiko. wenn ihm demnächst eine schmächtige, 12 jährige radfahrerin mit 140 cm begegnet, wird ihr nicht ins wadl gebissen, sondern in die kehle. nicht ausmalen möchte ich mir, wie derartige charaktäre ab 1939 in österreich mit peitsche und hunde reagierten… vielleicht sollte man auch zeitgeschichtliche aspekte seiner wohnungssituation in wohlwollenden augenschein nehmen? außerdem: wo bleibt unser bürger meister häupl und seine sicherste stadt der welt, wenn man schon im 1. bez. unsere schulpflichtigen fahrradführerscheininhaberinnen nicht mehr frei herumfahren lassen darf? wie? – ein einzelfall? wiewohl, herr bürgermeister, schlimme fälle sind immer einzelfälle. aber jeder, der sich außerhalb der rathaustüren ohne gefolge bewegt, kann leider der nächste sein.

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