26|01|23: Ist mehr Kommunikation unbedingt besser?

Foto: Ludwig Schedl/SciBall

Die Einleitung zur 3. Vienna Lecture on Science Communication von Astrid Séville am 23. Jänner 2026 im Festsaal der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Eine Zusammenfassung der Rede, sowie Links zu den Medienberichten und zum Video der Rede finden sich auf der Ball-Homepage.  

Dieser Tage kursiert im digitalen Raum ein T-Shirt mit dem Slogan „I did my own research“. Der Slogan ist mit drei Fußnoten versehen. Und diese lauten: „I watched someone else’s shitty youtube video“.

Das T-Shirt illustriert eine der vielen Paradoxien der an Paradoxien so reichen Gegenwart: Menschen zweifeln – aus welchen Gründen auch immer – an der Wissenschaft. Gleichzeitig ist aber die Reputation der Wissenschaft noch immer so groß, dass diese Zweifler die Anmutung der Wissenschaft für sich in Anspruch nehmen.

Das ist nur eine der vielen Herausforderungen, denen sich die Wissenschaft und ihre Kommunikation heutzutage stellen muß. Um diese Herausforderungen zu ergründen, haben wir gemeinsam mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften die Vienna Lecture on Science Communication konzipiert. Auch, weil wir als Organisationskomitee es für wichtig halten, über den Ballabend hinaus die Relevanz von Wissenschaftskommunikation zu thematisieren.

Anlässlich des 11. Wiener Balls der Wissenschaften freuen wir uns sehr, die deutsche Politikwissenschaftlerin Astrid Séville als Rednerin begrüßen zu dürfen. Die gebürtige Aachenerin ist seit 2023 Professorin für Politische Theorie an der Leuphana Universität in Lüneburg und leitet dort das Zentrum für Demokratieforschung. Sie hat in Paris und Freiburg Politikwissenschaft, Romanistik und Historische Anthropologie studiert, an der TU München gearbeitet und war 2022 Sir Peter Ustinov Gastprofessorin an der Universität Wien.

Ein Paradigma der letzten Jahre lautete, dass mehr Wissenschaftskommunikation automatisch besser ist, die Gesellschaft klüger macht, die Evidenz im politischen Diskurs festigt. Entsprechend etablieren Universitäten und Forschungseinrichtungen Vermittlungsplattformen wie das VISTA oder – hier vor Ort – das Science Communication Center. Nicht zuletzt im Verlauf der Corona-Pandemie wurde aber eine Paradoxie sichtbar: Während ein Teil der Gesellschaft mehr Information einfordert, wendet sich ein anderer Teil überfordert ab und oft dem Obskurantismus zu. Auf diese gleichzeitige Gegenläufigkeit hat die scientific community bis heute keine schlüssige Antwort gefunden.

Dies ist einer der Ansätze von Sèville: Die Welt sehnt sich nach Expert:innen, die einfache Antworten liefern. Das Dilemma: Dadurch kommunizieren diese viel – vielleicht sogar zu viel, meint Séville. Diese Spannung bildet den Ausgangspunkt ihrer kritischen Diagnose gegenwärtiger Wissenschaftskommunikation.

Vielen Dank.

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