Archiv der Kategorie: Reportagen | articles

13|06|15: „Mögen Sie junge Menschen?“

Wandtafel, LeerEin Brief an die Direktorin der Schule meiner Tochter. Namen tun vorerst nichts zur Sache. Szenen wie diese spielen sich an allen Mittelschulen des Landes ab, solange die LehrerInnenausbildung so bleibt, wie sie ist. Am Anfang dieser Ausbildung sollte in Zukunft eine einfache Frage stehen. Die Presse am Sonntag hat den Text abgedruckt. Die Kommentare bestätigen meine Annahme, dass eine Debatte über die LehrerInnenausbildung nötig ist. Die Direktorin erhielt den Brief vor einer Woche, ohne darauf zu antworten. Ich habe erst dann eine, in der Sache nichtssagende Reaktion erhalten, als ich ihr ankündigte, dass der Text in der Zeitung stehen wird. Weiterlesen

13|04|14: „Eine neue Heimat und ein neues Glück“ (2009)

2009 erschien in Skills der folgende Text über Österreichs Pfadfinder in der NS-Zeit. Das Magazin wurde vom Dachverband der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs (PPÖ) herausgegeben und vom Wiener Verlag Monopol Medien produziert. Was mich Chefredakteur Thomas Weber zufolge als Autor qualifizierte, war meine Vergangenheit von 1974 bis 1977 als Späher bei der Gruppe 41 „Prinz Eugen“ in Wien.

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13|04|05: Begegnungen auf Augenhöhe

Universum Magazin, April 2013

Der Wiener Fotograf Lukas Beck dokumentiert mit seinem ersten Universum-Film das Verhältnis zwischen Tieren und Pflegern in Schönbrunn. Das Ergebnis erzählt von Respekt und Vertrauen – und präsentiert bemerkenswerte Porträts von Menschen und Tieren. 

ostbahn11beck

Schmal, sehnig, den Kopf in den Nacken gelegt: Eine kaum bezähmbare Urgewalt, die einen allerletzten Moment lang innehält, um Kraft zu sammeln für die finale Attacke. Wie jede brauchbare Ikone verdichtet das Bild von Willi Resetarits alias Ostbahn-Kurti nicht nur die Stimmung an diesem 29. Juni 1991 auf dem „Ostbahn 11“-Platz in Wien-Simmering; das Bild macht mehr: Es zieht den Betrachter in das Geschehen, lässt ihn teil werden mit dem Ganzen der 13.000 Fans, reizt nicht nur den optischen Sinn. In den Ohren wummert der Bass, in die Nase steigen Geruchsfetzen von Langos, Bier und sehr viel Schweiß, die Stimme wird heiser vom Kollektiv-Choral des „57er Chevie“. Weiterlesen

12|09|15: Geparde mit Sendungsbewusstsein (2007)

Im November 2006 lud mich Biosphere Expeditions ein, eines ihrer Projekte in Namibia zu besuchen. Eine Woche verbrachte ich auf der Okomitundu-Farm im Zentrum des Landes, eine zweite Woche an der Küste rund um Swakopmund. Was sich wie eine sehr anregende Wildlife-Expedition anließ, schlug am Nachmittag des vierten Tages plötzlich um in ein wirkliches  Abenteuer.

Universum Magazin, Februar 2007.

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11|12|08: Patrick Leigh Fermor

Mein erster Kontakt mit Patrick Leigh Fermor war ein mickriges Buch, vor dessen Erwerb und Kenntnisnahme ich in meiner Sachbuch-Kolumne im Mai 2011 warnte. Im Juni 2011 starb Leigh Fermor. Die Nachrufe waren überwältigend in Anzahl und Zuneigung. Bei der Lektüre der beiden Bücher über Leigh Fermors Wanderung quer durch Europa, wurde mir klar, warum er so verehrt wurde. Für das Universum Magazin (hier das PDF) habe ich mich auf Fermors Zeit in Österreich im März 1934 konzentriert.

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11|11|07: Der Höhlenmensch

Universum Magazin, November 2011

Der Höhlenmensch

Werner Herzog dringt mit seinem jüngsten Film zu den Ursprüngen der Kultur vor . Er findet sie in einer Höhle in Südfrankreich, in der sich malende Menschen vor 33.000 Jahren verewigt haben.

Der Ursprung des Bildes liegt im Dunklen. Das ist keine Metapher, sondern die Beschreibung des optischen Vorgangs: Das Licht eines reflektierenden oder selbst leuchtenden Objekts dringt durch ein kleines Loch in einen dunklen Raum und wirft das Bild dieses Objekts auf die Rückseite des Raumes – das Prinzip der Camera obscura, auf dem alle analogen Fotoapparate und Filmkameras basieren. Entwicklungsgeschichtlich markiert dieses Prinzip den Übergang zur Wahrnehmung von Bildern, wenn auch in sehr vereinfachter Form: Während Seesterne und Quallen mit ihren sogenannten Flachaugen nur Kontraste unterscheiden können, ist es Kopffüßlern wie den Perlbooten mit ihren Lochaugen möglich, tatsächlich Bilder von Objekten zu sehen.

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11|10|02: Mit Charme und Lavendel

Die deutsche Ausgabe von National Geographic präsentiert in der Serie „Das gute Beispiel“ Menschen, die ökologische Utopien wahr werden lassen. Für die Oktober-Ausgabe 2011 wurde ich eingeladen, die Hotel-Chefin Michaela Reitterer zu porträtieren, die in Wien das weltweit erste Hotel mit Null-Energie-Bilanz entwickelt und 2009 eröffnet hat.

National Geographic Deutschland, Oktober 2011

Mit Charme und Lavendel

Unsere Welt kann nur dann dauerhaft lebenswert bleiben, wenn wir uns am Prinzip der Nachhaltigkeit orientieren. Wir stellen Menschen vor, die ökologisch, ökonomisch oder sozial nachhaltig handeln. Vorbilder wie Michaela Reitterer, die mitten in Wien das weltweit erste Hotel mit Null-Energie-Bilanz führt.

Michaela Reitterer im Lavendelfeld auf dem Flachdach ihres Hotels / Foto: Peter Rigaud für National Geographic

Michaela Reitterer im Lavendelfeld auf dem Flachdach ihres Hotels / Foto: Peter Rigaud für National Geographic

Hotels rühmen sich gemeinhin ihres Komforts, ihrer Sauberkeit und ihrer Lage. Das „Boutique Hotel Stadthalle“ aber heißt seine Gäste auf der Stirnwand des Foyers in großen Lettern „herzlich willkommen im weltweit ersten Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz“. Das muss man sich trauen. Doch an der Rezeption haben Dora, Stefania und Monika an einem heißen Juli-Nachmittag alle Hände voll zu tun. Gerade sind zwei Familien und eine Gruppe von Freunden eingetroffen. Sie erhalten Keycards, einen Hinweis auf die Fahrradgarage und die Aussicht auf Rabatt: Wer mit Bahn oder Rad anreist, spart zehn Prozent.

Die Frau, die mit dem Charme eines TÜV-Verfahrens für ihr Hotel wirbt, ist Michaela Reitterer, die Direktorin und Eigentümerin. Im Wiener Dialekt würde sie eine „fesche Gretl“ heißen: Sie ist attraktiv, trägt semi-legeren Business-Dress, Modeschmuck aus dem letzten Urlaub und am Handgelenk die sportive Uhr einer Nobelmarke. Flott gesprochen könnte man auch „resche Gretl“ hören. Das bedeutet – höflich formuliert – eine durchsetzungsfähige Persönlichkeit, die sich nicht so leicht die Butter vom Brot nehmen lässt: «Ich hab in den letzten Jahren so oft gehört: ‹Das geht nicht.› Wenn ich das ernst genommen hätte, wäre ich nicht dort, wo ich heute bin.» Nämlich im Zentrum der Aufmerksamkeit von ökologisch interessierten Kollegen – «Grad hab ich acht Hoteldirektoren aus China da g’habt.» –, Touristikern und Stadtplanern. Ihr Hotel steht auf den Reiseplänen von gut 15000 Gästen pro Jahr, die ihm zu 44000 Übernachtungen in 80 Zimmern mit 147 Betten verhelfen. Auslastung: 82 Prozent. Weiterlesen

11|09|08: Eierlikör in Alpbach

Universum Magazin, September 2011

Eierlikör in Alpbach

Die Technologiegespräche präsentieren sich einmal mehr als unsortiertes Themenbüschel – mit bemerkenswerten Knospen und Blüten.

Alpbacher Arbeitsplatz

Das Jahresmotto des Europäischen Forums Alpbach ist üblicherweise von stuppender Schlichtheit, intellektuell irgendwo zwischen Schulaufsatz und Regierungserklärung angesiedelt. Der diesjährige Titel („Gerechtigkeit – Verantwortung für die Zukunft“) bildete da keine Ausnahme. Das ist zum einen der an sich nicht zu bewältigenden Aufgabe geschuldet, ein Themenbüschel subsummieren zu müssen, das den chinesischen Städtebau genau so umfasst wie die österreichische Vorsorgemedizin und die innenpolitischen Umwälzungen in Liechtenstein. Der zweite Grund für die holzschnittartige Kargheit des Mottos, die den Figuren in den Weihnachtskrippen der Tiroler Stuben gut ansteht, ist seine Irrelevanz: Jeder Vortrag, jeder Arbeitskreis der zwischen Mitte August und Anfang September abgehaltenen insgesamt 15 Blöcke dient vor allen anderen Dingen im günstigsten Fall der Unterhaltung, im seltenen Fall sogar der Aufklärung des jeweiligen Zielpublikums, und nicht der Herstellung eines überspannenden Themengeflechts. Mehr als drei Tage in Folge ist praktisch kein Gast anwesend, das veranstaltende Personal und einige außerordentlich hartgesottene JournalistInnen ausgenommen.

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